Ado van de Filmchens

Ado van de Filmchens

Freier Journalist, Fotograf u. Filmemacher

VON STEFFEN TRUMPF Berlin. Der deutsche Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif meldet sich erneut mit einem Buch zur globalen Krise zu Wort – und lässt darin keinen Zweifel an der Dringlichkeit von mehr Klimaschutz. „Countdown“ heißt das Werk, das in diesen Tagen in den Buchhandel gekommen ist. Der Untertitel spricht Bände: „Unsere Zeit läuft ab.“ Latif nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf „die planetare Geisterfahrt“. Passenderweise ist Latif nicht nur Professor am Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, sondern auch Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Kurzum: Der 67-Jährige weiß, wovon er schreibt. Leider ist all das nicht wirklich stimmungsaufhellend, was Latif über das Klima zu berichten weiß. Neu sind all diese Erkenntnisse nicht, die meisten davon bereits jahrzehntealt. Doch nicht zuletzt die Waldbrände und Überschwemmungen in aller Welt, die jüngste Hitzewelle in Indien oder auch die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 sind Belege dafür, dass mit dem Klimawandel zusammenhängende Extremereignisse Menschen auf dem ganzen Planeten treffen. „Der Klimawandel besitzt ein enormes Gefahrenpotenzial, und dies überall auf der Welt“, schlussfolgert Latif. „Überall“ schließt auch Deutschland ein. Umso unverständlicher ist da auch für Latif, dass das nötige Handeln im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe weiterhin aufgeschoben wird. „Warum kommen wir nicht vom Wissen zum Handeln?“, fragt er sich. Tja, warum eigentlich nicht? In Corona-Zeiten und in der Reaktion auf Russlands Angriffskrieg in der Ukraine wurde letztlich bewiesen, dass Regierungen schnell und manchmal sogar gemeinsam auf immense Krisen reagieren können. Beim Klima jedoch, da werden Latif unzählige weitere Experten zustimmen, da hapert es genau an diesem schnellen und gemeinschaftlichen Handeln. „Wenn man die Maßnahmen als Maßstab anlegt, die bisher ergriffen worden sind, muss man sagen: Die Menschheit reagiert viel zu langsam auf das Klimaproblem“, schreibt er. Einige Regierungen bestritten, verharmlosten oder ignorierten noch immer, was vor sich gehe – und das, obwohl ein ungebremster Temperaturanstieg zu einer Destabilisierung der Welt und endlosem menschlichen Leid führen würde, wie er warnt. Woran liegt das? „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und bewegt sich nur unwillig in neue Richtungen, wenn er erst einmal einen gewissen Wohlstand erreicht und es sich in seiner Komfortzone bequem gemacht hat“, schreibt Latif. Helfen werde nur ein grundlegender technologischer und kultureller Wandel. Damit sich mehr tut, braucht es mehr Wissen. Das liefert der Autor mit Bravour. Wasserdampf, Jetstream, Kipppunkte, all solche wichtigen Dinge nimmt Latif unter seine wissenschaftliche Lupe. Er erklärt die Absurdität der deutschen Debatte über ein Tempolimit und zeigt mit gleich sieben Begründungen auf, warum die Atomkraft „im Sinne des Klimaschutzes völlig kontraproduktiv“ sei. Letztlich liefert Latif einen rund 220 Seiten langen Appell für mehr Klimaschutz:„Wir müssen komplett umdenken. Alte Denk- und Verhaltensweisen funktionieren nicht mehr“.
Montag, 23 Mai 2022 18:15

Energiewende mit Wasserstoff

VON FRANK-THOMAS WENZEL (RND) Frankfurt/Main. Klimaneutraler Wasserstoff ist plötzlich heiß begehrt, weil die Industrie so schnell wie möglich vom russischen Gas loskommen will. Doch er wird nicht umsonst als „Champagner der Energiewende“ bezeichnet: Noch ist er sehr teuer. Wer braucht Wasserstoff dringend? An erster Stelle stehen die Stahlkocher. Thyssenkrupp und Salzgitter müssen 2025/26 weitreichende Investitionsentscheidungen treffen, um die Weichen für die nächsten Jahrzehnte zu stellen. Eine komplett CO2 -freie Stahlproduktion ist nur mit klimaneutralem Wasserstoff möglich, er soll Kokskohle im Hochofen ersetzen. Was wird für eine Umstellung getan? Die Regierungen von Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Dänemark haben einen Ausbau der Stromerzeugung auf See beschlossen. Von 2030 an sollen sich in der Nordsee Windräder mit einer Gesamtleistung von 65 Gigawatt drehen. Für 2050 sind 150 Gigawatt geplant – das entspricht in etwa der Leistung von 150 Atomreaktoren. Die Länder wollen den Ausbau mit der Erzeugung von Wasserstoff koppeln. Dieser ist nur dann grün, wenn Ökostrom die Ausgangsenergie ist, die eingesetzt wird, um durch Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Wie schnell lassen sich diese Projekte umsetzen? Die EU-Kommission hat das Ziel definiert, dass im Jahr 2030 schon 20 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff eingesetzt werden. Aktuell gibt es diesen nur in sehr geringen Mengen aus Pilotanlagen. Die 20 Millionen Tonnen entsprechen einem Sechstel des aktuell weltweit hergestellten konventionellen Wasserstoffs, der vorwiegend durch die Zerlegung von Erdgas gewonnen wird. Zehn Millionen Tonnen sollen importiert werden – Favoriten für die Lieferungen sind nordafrikanische Länder. Was ist für eine Wasserstoffwirtschaft nötig? Die Chefin des Energiedachverbands BDEW, Kerstin Andreae, hat einen „mutigen Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft“ gefordert. Unter anderem durch schnellere Genehmigungsverfahren und das Ausweisen von unterirdischen Speichern. Zudem sollten Kriterien für vorübergehend benötigte neue Gaskraftwerke entwickelt werden, die später auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Und natürlich setzt Andreae auch auf eine staatliche Förderung, um Nachfrage zu erzeugen. Wie könnten solche Subventionen aussehen? Bund und EU-Kommission schlagen sogenannte Klimaschutzverträge vor. Eine Firma, die auf Ökowasserstoff als Energieträger umstellt, bekommt die Mehrkosten erstattet, die im Vergleich zum Einsatz von Erdgas entstehen. Der Bedarf ist enorm Der Streit um russische Gaslieferungen lässt das Interesse an Wasserstoff steigen. So heißt es im Mitte der Woche vorgelegten „Arbeitsplan Energieeffizienz“ von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): „In der Industrie ist ein regelrechter Nachfrageboom nach grünem Wasserstoff zu beobachten.“ Enorm wichtig ist es beispielsweise für die Chemieindustrie, fossiles Methan durch Wasserstoff zu ersetzen. Der Grund: Methan wird einerseits als Rohstoff benötigt, etwa um Dünger und zahlreiche Chemikalien zu erzeugen. Hinzu kommt, dass zur Herstellung vieler Produkte Gas als Brennstoff eingesetzt wird. Um die hiesige Chemieindustrie komplett auf erneuerbaren Wasserstoff umzustellen, würde eine Strommenge benötigt, die ungefähr dem heutigen Gesamtverbrauch an elektrischer Energie in Deutschland entspricht.
Dienstag, 17 Mai 2022 08:16

50 Jahre Trödelmarkt

Ausstellung im Haus für Kunst und Geschichte blickt zurück auf die Anfänge – Viele Leihgaben VON PETRA NOVA Kerpen. Er war bekannt unter den Spitznamen Büb Hövel, oder auch Trödel Büb, und er konnte getrost eine schillernde Persönlichkeit genannt werden. Die Rede ist von Peter Hövel, der maßgeblich zur Entstehung des Kerpener Trödelmarktes beigetragen hatte. Am Freitagabend wurde im Haus für Kunst und Geschichte an der Stiftstraße zu Hövels Ehren eine Ausstellung anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Kerpener Trödelmarktes eröffnet. Bürgermeister Dieter Spürck erinnerte an einen „äußerst kreativen Menschen“. So hatte Hövel 1969 die Idee, zur Finanzierung der Weihnachtsbeleuchtung einen Trödelmarkt nach dem Vorbild der belgischen Stadt Lüttich zu organisieren. Schon der erste Trödelmarkt 1970 war ein voller Erfolg und ist es bis heute geblieben. Rene Hövel, Vorsitzender der Aktionsgemeinschaft Kerpen (AGK) und Spross der Familie Hövel , dankte Bruno Deutzmann von der Veranstaltungsagentur Coelln-Concept für seinen leidenschaftlichen Einsatz. Deutzmann organisiert das bunte Treiben in Kerpener seit 2008. In einer bewegenden Rede schilderte Stadtarchivarin Susanne Harke-Schmidt, wie schwierig die vergangenen 33 Monate ohne allzu viele Besucher gewesen seien. Schließlich sei die große Ausstellung seit 2017 für 2020 geplant gewesen und könne nun erst jetzt präsentiert werden. Voller Freude sprach sie über die zahlreichen Leihgaben, Fotos und Informationen, die 40 Einrichtungen und Kerpener Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung gestellt haben. „Sie alle wollen damit ihre enge Verbundenheit zu ihrem Trödelmarkt zur Ausdruck bringen“, betonte die Archivarin. Besonders stolz ist sie auf die Leihgabe des Historischen Archivs der Stadt Köln. Es handelt sich dabei um eine Urkunde des Herzogs von Brabant aus dem Jahr 1251 über freien Handel zwischen Brabant und Köln. Allein der Transport dieser Leihgabe in einer Klimakiste sei aufregend gewesen. Der Fokus der Ausstellung liegt jedoch auf 50 Jahren Trödelmarktgeschichte. Ein Film über Kerpen im Jahr 1971 und Fotopräsentationen der Jahre 1994 und 2008 wecken weitere Erinnerungen. Geöffnet ist die Ausstellung bis 30. September, montags und dienstags von 9 bis 12 Uhr, donnerstags von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag, 22. Mai, zum Trödelmarkt von 8 bis 17 Uhr. Am Sonntag 3. Juli, dem Tag des Stadtfestes sind Besucher von 10 bis 17 Uhr willkommen.
Dienstag, 17 Mai 2022 08:14

Kinder haben die Nase voll

Jungen und Mädchen der Kita Panama ärgern sich über Hundekot und schalteten den Bürgermeister ein VON WILFRIED MEISEN Kerpen. Die kleine Marie erzählte Bürgermeister Dieter Spürck von einem Ausflug, den die Jungen und Mädchen der Kindertagesstätte Panama zuletzt unternahmen. „Wir haben dann ganz viele Hundekacke gesehen.“ Daraufhin hatte sich das Panama-Kinderparlament, in das alle sechs Gruppen der Einrichtung ihre Vertreter schicken, mit der Sache befasst und zum Thema gleich den Bürgermeister eingeladen. Es wurde auch unter Mithilfe der Erzieherinnen Nicole Wolf und Alexandra Godzina und von Jugendamtsleiterin Martina Kretschmann hin- und her diskutiert, wie dem Problem von Hundekot auf Bürgersteigen besonders im Umfeld des Kindergartens an der Neustraße beizukommen ist. Die Kinder schlugen etwa das Aufstellen von Hundekotbeutelständer vor. Auch fehle es an Papierkörben zur Entsorgung der Hinterlassenschaften. Zudem sollten Schilder aufgestellt werden und Hundebesitzer auch über die Zeitung dazu aufgefordert werden, Hundekot auf Bürgersteigen und Wegen selbst zu beseitigen. Spürck lobte das Kinderparlament der Einrichtung, welches gelebte „Demokratie“ sei. Doch die Sache mit dem Hundekot sei nicht so einfach, erklärte er. So habe die Stadtverwaltung schon mal Hundekotspender in Türnich aufgestellt und damit schlechte Erfahrungen gemacht. Manche Leute hätten dort viel mehr Beutel herausgezogen, als sie gebraucht hätten. Die Ständer seien oft schnell wieder leer gewesen. Spürck wies auch daraufhin, dass es in Kerpen schon 490 Mülleimer gebe, die pro Stück rund 400 Euro gekostet hätten: Allein die regelmäßige Entleerung koste rund 290 000 Euro im Jahr. Man könne nicht unbegrenzt weitere Behälter aufstellen, da die Stadt dafür kein Geld habe. Das Problem liege nicht an den Hunden, sondern an dem Menschen am anderen Ende der Leine: „Der Mensch muss sich ändern.“ In Zukunft wolle das Kerpener Ordnungsamt in der Sa che wieder verstärkt kontrollieren, versprach Spürck. Bußgeld in Höhe von 200 Euro drohten demjenigen, der Hundekot nicht beseitigt. Auf Spielplätzen sollen es sogar 250 Euro sein. Wer einen gefüllten Hundekotbeutel einfach in die Landschaft wirft und nicht ordnungsgemäß entsorgt, könne sogar mit 350 bis 700 Euro zur Kasse gebeten werden. Die Kinder kündigten schließlich an, einmal am Kindergarten tagsüber Hundehalter auf die ihre Wünsche hin anzusprechen. Spürck will nun prüfen lassen, ob am Ende der Neustraße in Richtung Feld nicht doch ein Beutelspender mit Mülleimer aufgestellt werden kann. Die Kinder sollen diesen bemalen. „Die Stadt würde es bezahlen.“
Dienstag, 17 Mai 2022 08:12

Auf der Suche nach den Brandstiftern

VON MARGRET KLOSE Rhein-Erft-Kreis. Die Kreisjägerschaft ist alarmiert: 200 Euro haben sie ausgelobt für Hinweise, die zur Festnahme der Brandstifter führen. In nur einer Woche waren in Bergheim auf der Fischbachhöhe zwölf Hochsitze in Flammen aufgegangen. „Wir nehmen an, dass es sich bei den Brandstiftern um Gegner der Jagd handelt“, erklärte auf Anfrage der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Franz-Josef Kipshagen. Durch die aktuelle Trockenheit im Wald hätten sich die Feuer teils sogar noch ausgebreitet und Tiere des Waldes getötet und in die Flucht getrieben. Kipshagen möchte sich gar nicht ausmalen, was noch alles hätte passieren können. „Wir empfehlen unseren Mitgliedern inzwischen, Nisthilfen und Bienenhotels an den Hochsitzen anzubringen“, erklärte er. Bei einer Brandstiftung handele es sich dann nämlich nicht mehr nur um eine Sachbeschädigung, sondern auch um einen Verstoß gegen das Naturschutzgesetz. „Das wäre dann eine Straftat und wird wesentlich härter bestraft“, so Kipshagen. Ganz neu ist die Sachbeschädigung von Hochsitzen im Rhein-Erft-Kreis und speziell in Bergheim nicht. So wie der Vorsitzende der Kreisjägerschaft erinnert sich auch Kreisbrandmeister Peter Fenkl an ganz ähnliche Fälle, als Hochsitze in der Nähe abgesägt und am Papsthügel auch angezündet wurden. „Auch in Oberaußem gab es vor ein paar Jahren eine richtige Serie“, so Fenkl. „Und Hochsitze brennen nicht von selber“, gibt er zu bedenken. Das denkt auch die Polizei. Weil eine politisch motivierte Tat nicht auszuschließen ist, hat inzwischen der Staatsschutz die Ermittlungen zur Klärung der Hochsitzbrände aufgenommen. Ergebnisse liegen der Polizei zurzeit noch nicht vor. Auf Hochtouren laufen auch die Ermittlungen der Polizei wegen des Brandes der etwa 30 Kubikmeter Holzstämme, die in der vergangenen Woche im Grubenweg im Wald in Erftstadt-Liblar in Flammen gestanden haben. Auch dort geht Fenkl nicht davon aus, dass sich die Stämme einfach so entzündet haben. „Das ist sogar ziemlich unwahrscheinlich“, sagte er. Im Wald von Revierförster Frank Pechtheyden kam es zudem am Freitag ziemlich zeitgleich an drei Stellen zu Bränden an der Berrenrather Börde. „Auch ich glaube nicht an eine Selbstentzündung dieser Flächen“, sagte er. Über solche Taten kann er nur den Kopf schütteln. Denn die Waldbrandgefahr sei zurzeit ziemlich hoch. „Das Frühjahr zählt aufgrund des im Wald noch liegenden trockenen Laubes und der Äste insgesamt zu den gefährlichsten Jahreszeiten für Waldbrände“, erklärte er. „Und die Gefahr wird aktuell mit jedem Tag, an dem es nicht regnet, größer.“ Trockenheit im Wald Anders verhält es sich mit den Vegetationsbränden, zu denen aktuell die Feuerwehren insbesondere in Hürth verstärkt alarmiert werden. Hintergrund sind laut Fenkl die Pollenblüten, die jetzt von den Pappeln fallen. „Sie sind sehr leicht entzündbar“, erklärte Fenkl. Eine Unachtsamkeit reiche etwa beim Rauchen einer Zigarette schon aus, um riesige Flächen in Brand zu setzen. Rauchen und offenes Feuer sind wegen der Trockenheit aktuell im Wald und an den Waldrändern strikt verboten. Die aktuelle Trockenheit im Wald und auf den Freiflächen sorge auch durch den oft leicht wehenden Wind dafür, dass sich solche Brände sehr schnell ausbreiten können. Immer jedoch, ob bei Vegetationsbränden oder Wald- und Hochsitzbränden, müssten Feuerwehrleute oft ehrenamtlich ausrücken, um die Brände mitunter unter dem Einsatz ihres Lebens zu löschen.
Die Sommer werden immer heißer – die richtigen Pflanzen können Abkühlung und Schutz an Hitzetagen bieten. VON SARAH FRANKE Knallt die Sonne an heißen Tagen vom Himmel, halten es manche Menschen auch im eigenen Garten nicht mehr aus. Doch das muss nicht sein: Landschaftsarchitekt Markus Meyer erklärt im Interview, wie das Grün vor der Haustür kühl bleibt. Herr Meyer, in Ihrem Buch „Oase kühler Garten“ schreiben Sie, die Natur komme offensichtlich besser mit klimatischen Veränderungen klar als wir Menschen. Wie meinen Sie das? Nehmen wir die Neophyten als Beispiel. Das sind Arten, die nun in Regionen wachsen, in denen sie zuvor nicht heimisch waren. Dabei handelt es sich eigentlich nur um Pflanzen, die sich dort ansiedeln, wo es ihnen gutgeht. Pflanzen wandern schon seit Milliarden von Jahren. Vielleicht stehen bei uns in den Städten irgendwann keine Eschen oder Kastanien mehr, sondern Orangen- und Olivenbäume. Die kommen nämlich besser mit der Hitze zurecht. Pflanzen sind generell eine große Chance, was die Klimaerwärmung anbelangt. Sie regulieren den Wasserhaushalt im Boden und der Atmosphäre, wandeln mittels Photosynthese CO2 in Sauerstoff um, verhindern Erosionen und beschatten. Botanische Kühlsysteme sehe ich persönlich als wirksame und sinnvolle Möglichkeit, die urbane Überhitzung zu dämpfen. Was braucht der eigene Garten, um dem Klimawandel zu trotzen – und sogar kühlend zu wirken? Da fallen mir zuerst die Bodendecker ein. Sie können brachliegende Vegetationsflächen bedecken. Habe ich nämlich Schotterflächen oder nackte Erde im Garten, wird die Strahlung der Sonne wieder nach oben reflektiert. Wir haben dann also von oben und unten eine permanente Hitze, die nicht gesund für uns Menschen ist. Statt Sonnenschirme aufzustellen, die alle paar Jahre erneuert werden müssen, kann man auch einfach einen Baum pflanzen. Der spendet genauso gut Schatten und kühlt somit. Außerdem ist es wichtig, die Bepflanzung den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Denn jeder nutzt seinen Garten etwas anders. Gleichzeitig sorgt man mit einer ausgewogenen, standortgerechten Bepflanzung, die in erster Linie durch das Klima bestimmt ist, für ein ökologisch-angenehmes Wohlfühlambiente. Man möchte sich ja schließlich im Garten aufhalten und nicht vor ihm flüchten. Stichwort Sonnenschirm: Was haben Accessoires im Garten mit Hitze zu tun? Viele Menschen haben Accessoires, die die Hitzeeinwirkung noch nach oben potenzieren, weil sie Sonnenstrahlen reflektieren. Rattanmöbel oder Holztische im Garten ergeben Sinn. Sonnenschirme aus dunklen Materialien, Metallkerzenständer oder Hochbeete aus Kunststoff dagegen nicht. Wenn es also zu heiß im Garten werden sollte, kann man schon mit der Wahl der Gartenaccessoires dafür sorgen, keine zusätzliche Hitze zu produzieren. Was sollte man noch beachten? Mein genereller Rat lautet, sich auf die Natur einzulassen, den Ordnungswahn hinten anzustellen und damit klarzukommen, dass es im Garten mal bunt und dass das Gras mal etwas länger ist. Gartenarbeit sollte Spaß machen und entspannen. Die Kultur des Scheiterns gehört übrigens dazu. Ein Garten soll und kann nicht perfekt sein. Man sollte den Gedanken zulassen, dass man auch mal etwas falsch machen kann. Der Mensch ist nicht perfekt und die Natur auch nicht – aber sie lernt permanent dazu. Ihre Adaptionen folgen dem Lauf der natürlichen Abläufe. Alles, was um uns blüht, grünt und duftet, hat sich durch die Evolution in einem Zeitraum von Milliarden Jahren entwickelt. Also halte ich es für ziemlich hochmütig, wenn der Mensch innerhalb von zwei Wochen ein perfektes Gartenparadies schaffen möchte.
Donnerstag, 05 Mai 2022 19:00

Grabmal derer von Trips aufwendig saniert

VON DENNIS VLAMINCK Kerpen-Horrem. Zweimal im Jahr öffnet die Gräflich Berghe von Trips’sche Sportstiftung zu Burg Hemmersbach die Gruft, einmal zum Geburtstag und einmal zum Todestag des am 10. September 1961 in Monza bei einem Rennen tödlich verunglückten Ferrari-Fahrers Wolfgang Graf Berghe von Trips. Bei dem Unfall in Monza starben außer Trips noch 15 Zuschauer, 60 weitere wurden verletzt. Die Öffnung der Familiengruft heute, Mittwoch, 4. Mai, von 9 bis 18 Uhr, nimmt Jörg-Thomas Födisch, stellvertretender Vorsitzender der Trips-Stiftung, besonders gern vor: Das in der Mitte des 19.Jahrhunderts erbaute Grabmal der Grafenfamilie ist in den vergangenen Wochen umfangreich saniert worden. „Die Gruft war in keinem guten Zustand mehr“, sagt Födisch. Mit der Hilfe von Spendengeld habe die Stiftung die Gruft von innen und auch die Fassade wieder hergestellt, dazu die Tür und auch die Inschriften an zwei Grabplatten. „Die Arbeiten am Dach sind noch nicht ganz fertig, aber wir gehen davon aus, dass sie im Mai abgeschlossen werden.“ Über die Höhe der Kosten machte Jörg-Thomas Födisch keine Angaben. In der vermutlich zwischen 1857 und 1859 errichteten Gruft sind neben dem Renngrafen noch weitere Familienmitglieder beigesetzt, darunter seine Eltern Thessa und Eduard. Die Familie hatte ihren Sitz auf Burg Hemmersbach in Horrem. Der Formel-1-Fahrer und Vizeweltmeister Wolfgang Graf Berghe von Trips genießt noch heute bei Motorsportfreunden hohes Ansehen. Die Gruft befindet sich auf dem Friedhof in Kerpen-Horrem. Jörg-Thomas Födisch, stellvertretender Vorsitzender der Trips-Stiftung
VON TABEA FRIEDT Kerpen. Auf Themen wie Klimawandel, Frieden, Wahlalter ab 16, bezahlbarer Wohnraum und Diskriminierung weisen Bürgerinnen und Bürger auf den bunten Zetteln hin, die an einer Werbeplakatwand Ecke Hahnenstraße/Uhlandstraße hängen. Unter dem Motto „Haltung zeigen – Meinung sagen – Demokratie stärken“ klebten Mitglieder des Vereins „hab8cht“ Statements sowie Wünsche an den am 15. Mai zu wählenden Landtag an die Plakatwand. „Zur Wahl werden sich Gedanken darüber gemacht, welche Vorstellungen und Erwartungen man an die Politiker hat. Die Leute entwickeln eine Haltung. Durch die Aktion geben wir ihnen eine Möglichkeit sich zu äußern“, sagte Michael Dierks, Mitgründer des Vereins. Der seit September offiziell eingetragene Verein, der bis dahin eine Initiative war, organisierte bereits die Aktion „Gesicht zeigen für Vielfalt“ anlässlich der Europa- und der Bundestagswahl. Dabei wurden Fotos von Menschen an die Plakatwand gehängt. Mit der neuen Idee soll nun noch mehr bewirkt werden. „Die Texte machen neugierig, da will man wissen, was draufsteht, wenn man vorbeikommt“, meinte Martin Sagel aus Kerpen. Die Statements aus der Bürgerschaft werden nicht nur an der Wand zu lesen sein, sondern zudem auf Postkarten gedruckt. „In Kneipen wollen wir die Karten auslegen und an die gewählten Landtagsabgeordneten sollen sie auch geschickt werden, um zu zeigen, dass die Leute sich Gedanken machen und eben auch Anforderungen haben“, berichtete Michael Dierks. Zudem plant der Verein eine öffentliche Veranstaltung, zu der die Abgeordneten eingeladen werden.
Donnerstag, 05 Mai 2022 18:54

Grüne wollen Bahntrasse reaktivieren

Zwischen Horrem und Mödrath wäre die Planung einfach VON DENNIS VLAMINCK Kerpen/Rhein-Erft-Kreis. Es sind schon einige Weichen für das Projekt gestellt worden, nun wünschen sich die Grünen im Rahmen des Strukturwandels, dass das Vorhaben noch mehr Fahrt aufnimmt. Die Landtagskandidatinnen Antje Grothus und Simone Spicale wollen sich für die Reaktivierung der in den 1980er-Jahren stillgelegten Bahntrasse von Horrem nach Liblar stark machen. „Wir wollen mehr Verkehr auf die Schiene bringen und mehr Lebensqualität“, sagt die Kerpenerin Antje Grothus. Die Strecke verläuft parallel zur A 61 und zur Erft. Zumindest vom Bahnhof Horrem bis zur Burg Mödrath sei sie sogar noch gar nicht entwidmet. „Juristisch ist sie daher dort noch eine Bahnstrecke, was die Planungen bei einer Reaktivierung deutlich verkürzen würde“, sagt Birgit Schmidt-Pelzer von den Kerpener Grünen. Als problematisch gilt allerdings der Abschnitt bei Köttingen wegen einer nahen und engen Bebauung. „Ich hoffe, dass wir dafür Lösungen finden“, sagt Simone Spicale. Der Regionalrat Köln und der Rhein-Erft-Kreis haben sich bereits dafür ausgesprochen, den Wiederaufbau der Strecke zu prüfen, und der Nahverkehr Rheinland hat bei der Zukunftsagentur Rheinisches Revier 660 000 Euro für eine Machbarkeitsstudie beantragt. Die Reaktivierung der Strecke Horrem–Liblar, die im Übrigen noch durch einen Abzweig bis unmittelbar an die Kerpener Ortsgrenze erweitert werden könnte, soll nach Vorstellung der Grünen eingebettet sein in eine Reihe weiterer zusätzlicher Schienenverbindungen im Kölner Westen. Wo möglich, wolle man bei dem Konzept auf Reaktivierungen und Nachnutzungen setzen. Nach Vorstellung der Grünen soll die Stadtbahn-Linie 7 der Kölner Verkehrsbetriebe von Frechen-Benzelrath über Grube Carl, Grefrath, Habbelrath und Kerpen-Türnich nach Kerpen-Mitte verlängert werden, um auf diesem Weg eine Direktverbindung von Kerpen zum Neumarkt in Köln herzustellen. Was für den Personenverkehr gilt, soll auch für den Güterverkehr gelten: weg von der Straße, rauf auf die Schiene. Dafür könnten die bisherigen Industriebahnen von RWE (die Nord-Süd-Bahn von Niederaußem nach Knapsack) oder der Häfen- und Güterverkehr Köln (HGK) genutzt werden, die an das DB-Netz anzuschließen wären. „Auch hierzu hat der Kreistag beschlossen, dass eine solche Verbindung von Knapsack an die Eifelbahn kurz vor Liblar gebaut werden soll“, sagt Johannes Bortlisz-Dickhoff, Geschäftsführer der Grünen im Kreistag. Diese Strecke könnte auch eine Ausweichtrasse für die Strecke Horrem–Liblar sein, um Köttingen zu umfahren.
Donnerstag, 05 Mai 2022 18:53

Stelle eigens für den Katastrophenschutz

Der Kerpener Thomas Weiler ist Leiter des neuen Amts im Kreishaus VON DENNIS VLAMINCK Rhein-Erft-Kreis. Der Kerpener Thomas Weiler ist der erste Leiter des neuen Amtes für Rettungsdienst, Brand- und Bevölkerungsschutz im Kreishaus. Die Gründung dieses Amtes ist eine Konsequenz aus der Flutkatastrophe im Juli vorigen Jahres. Landrat Frank Rock (CDU) habe es einrichten lassen, „um die strategische Ausrichtung bei Katastrophenlagen weiter voranzutreiben“, teilte die Kreisverwaltung mit. Thomas Weiler ist Kreisoberbrandrat und hat im Jahr 2015 sein Masterstudium im Brandschutzingenieurwesen abgeschlossen. Er war zuletzt bei der Berufsfeuerwehr Köln beschäftigt und hat dort den operativ-taktischen Stab in der Covid-19-Pandemie geleitet. Seit 2018 war er in Köln bereits stellvertretender Abteilungsleiter Rettungsdienst und auch im Einsatzführungsdienst tätig, davor war er als Sachgebietsleiter im Krisenmanagement und Bevölkerungsschutz. „Ich freue mich, hier im Rhein-Erft-Kreis den Rettungsdienst und Brand- und Bevölkerungsschutz gestalten zu können“, sagte Weiler. „Wichtig ist mir auch eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit den Feuerwehren und den Hilfsorganisationen. Denn nur gemeinsam können wir die kommenden Aufgaben meistern.“ Landrat Rock begrüßte Weiler in seiner neuen Funktion. Mit dem Kerpener wolle man „den Bevölkerungsschutz hier im Kreis noch professioneller aufstellen“, sagte der CDU-Mann. Im vorigen November hatte Frank Rock angekündigt, er werde den Katastrophenschutz im Kreis professionalisieren. Nach der Flutkatastrophe im Sommer des vorigen Jahres hatte es unter anderem Kritik an der Meldekette gegeben. Die Frage, wer wann wen hätte alarmieren müssen, wurde heftig diskutiert. Das neue Amt soll dazu beitragen, Kommunikationswege zu straffen und die Zusammenarbeit von Krisenstäben zu verbessern. Bei der Flutkatastrophe, die im Kreis vor allem in Erftstadt-Blessem schwere Schäden hinterlassen hat, war es zu Situationen gekommen, in denen sich die Stäbe der betroffenen Kreise sich nicht hatten erreichen können. Zum Beispiel war die Kommunikation zum Zustand der Steinbachtalsperre im Nachbarkreis Euskirchen über längere Zeit hinweg mangelhaft. Thomas Weiler, neuer Amtsleiter
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