Montag, 23 Mai 2022 18:16

Klimaforscher Mojib Latif warnt vor Erderwärmung

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VON STEFFEN TRUMPF Berlin. Der deutsche Klimaforscher und Meteorologe Mojib Latif meldet sich erneut mit einem Buch zur globalen Krise zu Wort – und lässt darin keinen Zweifel an der Dringlichkeit von mehr Klimaschutz. „Countdown“ heißt das Werk, das in diesen Tagen in den Buchhandel gekommen ist. Der Untertitel spricht Bände: „Unsere Zeit läuft ab.“ Latif nimmt seine Leserinnen und Leser mit auf „die planetare Geisterfahrt“. Passenderweise ist Latif nicht nur Professor am Kieler Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung, sondern auch Präsident der Deutschen Gesellschaft des Club of Rome. Kurzum: Der 67-Jährige weiß, wovon er schreibt. Leider ist all das nicht wirklich stimmungsaufhellend, was Latif über das Klima zu berichten weiß. Neu sind all diese Erkenntnisse nicht, die meisten davon bereits jahrzehntealt. Doch nicht zuletzt die Waldbrände und Überschwemmungen in aller Welt, die jüngste Hitzewelle in Indien oder auch die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 sind Belege dafür, dass mit dem Klimawandel zusammenhängende Extremereignisse Menschen auf dem ganzen Planeten treffen. „Der Klimawandel besitzt ein enormes Gefahrenpotenzial, und dies überall auf der Welt“, schlussfolgert Latif. „Überall“ schließt auch Deutschland ein. Umso unverständlicher ist da auch für Latif, dass das nötige Handeln im Kampf gegen die drohende Klimakatastrophe weiterhin aufgeschoben wird. „Warum kommen wir nicht vom Wissen zum Handeln?“, fragt er sich. Tja, warum eigentlich nicht? In Corona-Zeiten und in der Reaktion auf Russlands Angriffskrieg in der Ukraine wurde letztlich bewiesen, dass Regierungen schnell und manchmal sogar gemeinsam auf immense Krisen reagieren können. Beim Klima jedoch, da werden Latif unzählige weitere Experten zustimmen, da hapert es genau an diesem schnellen und gemeinschaftlichen Handeln. „Wenn man die Maßnahmen als Maßstab anlegt, die bisher ergriffen worden sind, muss man sagen: Die Menschheit reagiert viel zu langsam auf das Klimaproblem“, schreibt er. Einige Regierungen bestritten, verharmlosten oder ignorierten noch immer, was vor sich gehe – und das, obwohl ein ungebremster Temperaturanstieg zu einer Destabilisierung der Welt und endlosem menschlichen Leid führen würde, wie er warnt. Woran liegt das? „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und bewegt sich nur unwillig in neue Richtungen, wenn er erst einmal einen gewissen Wohlstand erreicht und es sich in seiner Komfortzone bequem gemacht hat“, schreibt Latif. Helfen werde nur ein grundlegender technologischer und kultureller Wandel. Damit sich mehr tut, braucht es mehr Wissen. Das liefert der Autor mit Bravour. Wasserdampf, Jetstream, Kipppunkte, all solche wichtigen Dinge nimmt Latif unter seine wissenschaftliche Lupe. Er erklärt die Absurdität der deutschen Debatte über ein Tempolimit und zeigt mit gleich sieben Begründungen auf, warum die Atomkraft „im Sinne des Klimaschutzes völlig kontraproduktiv“ sei. Letztlich liefert Latif einen rund 220 Seiten langen Appell für mehr Klimaschutz:„Wir müssen komplett umdenken. Alte Denk- und Verhaltensweisen funktionieren nicht mehr“.
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Ado van de Filmchens

Freier Journalist, Fotograf u. Filmemacher

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