Montag, 23 Mai 2022 18:15

Energiewende mit Wasserstoff

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VON FRANK-THOMAS WENZEL (RND) Frankfurt/Main. Klimaneutraler Wasserstoff ist plötzlich heiß begehrt, weil die Industrie so schnell wie möglich vom russischen Gas loskommen will. Doch er wird nicht umsonst als „Champagner der Energiewende“ bezeichnet: Noch ist er sehr teuer. Wer braucht Wasserstoff dringend? An erster Stelle stehen die Stahlkocher. Thyssenkrupp und Salzgitter müssen 2025/26 weitreichende Investitionsentscheidungen treffen, um die Weichen für die nächsten Jahrzehnte zu stellen. Eine komplett CO2 -freie Stahlproduktion ist nur mit klimaneutralem Wasserstoff möglich, er soll Kokskohle im Hochofen ersetzen. Was wird für eine Umstellung getan? Die Regierungen von Deutschland, den Niederlanden, Belgien und Dänemark haben einen Ausbau der Stromerzeugung auf See beschlossen. Von 2030 an sollen sich in der Nordsee Windräder mit einer Gesamtleistung von 65 Gigawatt drehen. Für 2050 sind 150 Gigawatt geplant – das entspricht in etwa der Leistung von 150 Atomreaktoren. Die Länder wollen den Ausbau mit der Erzeugung von Wasserstoff koppeln. Dieser ist nur dann grün, wenn Ökostrom die Ausgangsenergie ist, die eingesetzt wird, um durch Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten. Wie schnell lassen sich diese Projekte umsetzen? Die EU-Kommission hat das Ziel definiert, dass im Jahr 2030 schon 20 Millionen Tonnen grüner Wasserstoff eingesetzt werden. Aktuell gibt es diesen nur in sehr geringen Mengen aus Pilotanlagen. Die 20 Millionen Tonnen entsprechen einem Sechstel des aktuell weltweit hergestellten konventionellen Wasserstoffs, der vorwiegend durch die Zerlegung von Erdgas gewonnen wird. Zehn Millionen Tonnen sollen importiert werden – Favoriten für die Lieferungen sind nordafrikanische Länder. Was ist für eine Wasserstoffwirtschaft nötig? Die Chefin des Energiedachverbands BDEW, Kerstin Andreae, hat einen „mutigen Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft“ gefordert. Unter anderem durch schnellere Genehmigungsverfahren und das Ausweisen von unterirdischen Speichern. Zudem sollten Kriterien für vorübergehend benötigte neue Gaskraftwerke entwickelt werden, die später auf Wasserstoff umgestellt werden sollen. Und natürlich setzt Andreae auch auf eine staatliche Förderung, um Nachfrage zu erzeugen. Wie könnten solche Subventionen aussehen? Bund und EU-Kommission schlagen sogenannte Klimaschutzverträge vor. Eine Firma, die auf Ökowasserstoff als Energieträger umstellt, bekommt die Mehrkosten erstattet, die im Vergleich zum Einsatz von Erdgas entstehen. Der Bedarf ist enorm Der Streit um russische Gaslieferungen lässt das Interesse an Wasserstoff steigen. So heißt es im Mitte der Woche vorgelegten „Arbeitsplan Energieeffizienz“ von Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne): „In der Industrie ist ein regelrechter Nachfrageboom nach grünem Wasserstoff zu beobachten.“ Enorm wichtig ist es beispielsweise für die Chemieindustrie, fossiles Methan durch Wasserstoff zu ersetzen. Der Grund: Methan wird einerseits als Rohstoff benötigt, etwa um Dünger und zahlreiche Chemikalien zu erzeugen. Hinzu kommt, dass zur Herstellung vieler Produkte Gas als Brennstoff eingesetzt wird. Um die hiesige Chemieindustrie komplett auf erneuerbaren Wasserstoff umzustellen, würde eine Strommenge benötigt, die ungefähr dem heutigen Gesamtverbrauch an elektrischer Energie in Deutschland entspricht.
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Ado van de Filmchens

Freier Journalist, Fotograf u. Filmemacher

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